Ein Stopp, der alles verändert: Die Autobahnkirche Geiselwind an der A3 überrascht als verborgener Kraftort mit unerwarteter Magie. Momente des Aufatmens und Zu-sich-Kommens an einer spürbar lichtvollen Quelle von Ruhe und tiefem Frieden.
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Wer auf der A3 zwischen Würzburg und Nürnberg unterwegs ist, etwas Ruhe inmitten seiner Reise erleben und gern auch feinere Fühler "nach oben" ausstrecken möchte, dem sei ein Halt am Rasthof Geiselwind und dort der Besuch der Ökumenischen Autobahnkirche ausdrücklich empfohlen.
Vor längerer Zeit hatte ich in einem Gespräch etwas beiläufig aufgeschnappt, dass irgendwo in Deutschland eine energetisch gesehen besondere Autobahnkirche stände. Zwar wusste ich weder ihren Namen noch auch nur annähernd die ungefähre Lage. Aber das Thema hatte sich auf unbestimmte Weise in meinem Geist verankert.
Zuweilen, während verschiedener längerer Fahrten durchs Land, wurde ich bei Hinweisschildern auf diverse Autobahnkirchen (in Deutschland gibt es derer übrigens 45) daran erinnert und fragte mich natürlich häufig, ob es gerade diese nun wohl wäre und ob ein Besuch eventuell lohnen würde? Aber irgendwie kam es dann doch nie dazu.
Die Zeit war knapp, die Strecke lang; letztlich bin ich vorbeigefahren und die Frage blieb weiterhin offen.
Dieses Mal war es jedoch anders. Auf der Reise zu meinem langjährig vertrauten Ferienort im Bayerischen Wald tauchte am Rande der A3, irgendwo im Fränkischen, die Ankündigung eines Rasthofes mit Autobahnkirche auf. Während früherer Fahrten von mir nie bewusst wahrgenommen, erschien dieses Mal plötzlich der Gedanke - wie eine übergroße Leuchtreklame: Die hier könnte es sein, fahr mal runter und schau Dir das Ganze an.
Ich war ohne Eile, eine Pause sowieso willkommen - also: gedacht, getan, den Blinker gesetzt, Fuß vom Gas und rechts ab.
Zunächst war da allerdings erstmal gar nichts.
Zumindest keine Kirche – sondern Burger King, Shell, viel Beton und halt die üblichen Verdächtigen an einem Autohof.
Schließlich landete ich aber auf einem weitläufigen und auffallend leeren Parkplatz, widerstand dem kurz aufflackernden Impuls, einmal im Internet nachzuschauen, ob das hier nun wirklich jene magische Autobahnkirche sei und entschloss mich stattdessen, die anstehende Expertise zunächst lieber mit den eigenen Antennen einzuholen. Nachlesen könnte ich hinterher schließlich immer noch.
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| Rasthof Geiselwind |
Über die fast menschenleere und an diesem Tag in der Sommerhitze glühende Asphaltfläche gehe ich auf eine merkwürdige Gebäudegruppe zu.
In wie zufällig kombinierten Pastelltönen sind ein Hotel, eine Tiefgarageneinfahrt und ein weiterer Gebäudeteil zu sehen. Weiter hinten auf der linken Seite befindet sich die Kirche.
Architektonisch gesehen erscheint alles wie in einer leicht surrealen Mischung aus verlassener Filmkulissen-Landschaft, den wenig besuchten Ausläufern eines Fantasyparks oder der Rückansicht eines Outletcenters. Nicht mehr ganz neu, die Farben etwas verblichen – und zumindest von außen betrachtet, wirkt hier nichts wie für die Ewigkeit gebaut.
Und trotzdem hat das Ganze etwas anrührend Tapferes.
Die Kirche selbst könnte einer Kinderzeichnung entsprungen sein, so unschuldig erhebt sie sich vom Platz mit ihren runden Fensterbögen und dem gewölbten Dach.
In die Ecke über dem Eingang ist nach mittelalterlichem Vorbild eine Nische mit einer Engel- oder Heiligendarstellung eingelassen. Daneben in großen Lettern an der Wand »KOMMT ALLE«.
Ich muss ein bisschen schmunzeln: so einfach, fast naiv – zumal sich in unmittelbarer Nachbarschaft auch noch ein Erotikmarkt befindet…
Aber etwas in mir spürt in diesem Moment dennoch vollkommen klar, dass all das hier sehr wahr, sehr aufrichtig und tiefgehend ist.
Nach dem Betreten des Kirchenschiffs umfangen mich sofort Andacht und Stille.
Es ist nicht dieses "Ich schaue erst mal herum", sondern ein sofortiges Eintauchen.
Auf einem der bereitstehenden Stühle nehme ich Platz und überlasse mich einfach jenem Frieden einer höheren Ordnung.
Das geschieht unmittelbar, absichtslos, ist einfach da.
Kein Gedanke mehr an die lange Fahrt, an die Strecke, die hinter mir liegt oder an die, die noch bevorsteht. Nicht mal ein Gedanke an den liebevoll eingerichteten Kirchenraum, das wirklich bemerkenswerte Altarbild oder die skulpturenhaft aus Holz gefertigten Prinzipalien.
Stattdessen:
einfach dasein, die Ruhe fühlen, Kraft tanken, verbunden mit der höheren Ordnung.
Nach einer Weile (es können Minuten gewesen sein, eine halbe Stunde oder länger – die Zeit verschwimmt und spielt eigentlich keine Rolle mehr. Irgendwo lässt sich nachlesen, dass die durchschnittliche Verweildauer von Besuchern in Autobahnkirchen fünf bis zehn Minuten betrage) stehe ich auf – erfrischt, dankbar, gestärkt – durchstreife den angrenzenden Devotionalienladen, erstehe einen metallenen Engel als künftigen Reisebegleiter und fühle mich – ungeachtet der noch zu fahrenden 300 Kilometer – sogar motiviert, dem nahegelegenen Engelpfad zu folgen und die an dessen Ende befindliche Mariengrotte aufzusuchen.
Unversehens umfängt mich plötzlich ein Gefühl, dass die Ferien längst begonnen haben und ich im Grunde nicht länger unterwegs, sondern auf eine nicht näher zu bestimmende Weise einfach schon DA bin.
Auf dem Rückweg zum Auto fällt auf, dass der Mercedes-Stern auf dem hinter der Kirche liegenden Truck-Service das Kreuz auf dem kleinen Kirchturm um ein Vielfaches überragt.
Ein bisschen kurios. Aber es ist in Ordnung. Es geht schließlich nicht um äußere Größe.
Hier wurde mit viel Liebe und wahrhaft gelebtem Glauben ein magischer Ort als Quelle tiefen Friedens geschaffen. Ein Ort, der diese Welt schöner und spiritueller macht; eine Oase für Reisende, ein Platz für Wunder – und für Engel.
2024/2026
Fotos: Sibylle Eichhorn
Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen!
(Matthäus 11,28)
Finde deinen stillen Winkel
Wohin die geschäftige Welt Dir nicht mehr folgen kann
Vertrau dem Frieden einer höheren Ordnung
Achte nun auf die Gezeiten Deines Atems
Du bist im Pulsschlag Deines Lebens
Jetzt
(Reiner Graf)